Die Geschichte der Roland TB-303 ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Den aufmerksamen Zuhörern und Zusehern wird im Chat zu Mitch Van Haydens Housearbeit vielleicht schonmal die Bezeichnung „TB-303“ oder noch kürzer abgekürzt „303“ aufgefallen sein, doch was hat es mit diesem Namen auf sich? Zeit für eine kleine Geschichtsstunde! 🙂

Roland brachte die TB-303 als Basssynthesizer im Jahr 1982 gemeinsam mit dem Drumcomputer TR-606 heraus. Gemeinsam sollten es die Transistor Bassline 303 und die Transistor Rhythm 606 einem Sologitarristen ermöglichen, mit Bass- und Schlagzeug-Begleitung zu spielen. Zu diesem Zweck hatten die beiden Geräte einen Sequencer mit Patternspeicher und man konnte die beiden Geräte mit einem Roland proprietären Protokoll über ein DIN-sync Kabel synchronisieren. Das war zwar derselbe Steckertyp, wie er auch beim im gleichen Jahr eingeführten MIDI-Standard (Musical Instrument Digital Interface) verwendet wurde, doch leider war das verwendete Protokoll ein anderes. Auch war der Klang der 303 wohl nicht das, was sich die Zielgruppe der Sologitarristen erwartet oder gewünscht hätte. So wurde die Produktion des Geräts schon 1984 wieder eingestellt.

Erst einige Jahre nach Produktionstopp wurde von der Gruppe Phuture aus Chicago das Stück „Acid Tracks“ veröffentlicht, das mehr als 11 Minuten lang den charakteristischen Blubber- und Zwitscherklang der TB-303 als Hauptelement verwendete. Das war die Geburtsstunde des Genres Acid House. Der Klang der 303 wurde immer beliebter und schlich sich auch in andere Stilrichtungen ein. So hat sich zum Beispiel aus dem gemütlicheren Trance der härtere Hard Trance entwickelt, bei dem neben dem höheren Tempo und den härteren Drums meistens auch eine 303-Bassline zum guten Ton gehört.

https://www.youtube.com/watch?v=hPd_Mzuz_Uc

Auf der anderen Seite gab es und gibt es noch Leute, die der TB-303 einen höheren Stellenwert einräumen, wie zum Beispiel das deutsche Duo Hardfloor, das seit 1991 ihre Musik zum größten Teil mit ein paar dieser Geräte erstellt. (siehe auch Hört, hört! | Ausgabe #30)

Es wurden (und werden noch immer) Modifikationen des Originalgeräts angeboten, die entweder MIDI-Funktionalität nachliefern, den Sound noch „dreckiger“ machen oder auch rein Optisches wie zum Beispiel der Austausch der roten LEDs gegen stylischere blaue LEDs.

Das gesteigerte Interesse im Gegensatz zum limitierten Angebot führte bald zu absurd hohen Gebrauchtmarktpreisen, wodurch andere Hersteller (Roland hat diese neue Möglichkeit am Markt sehr lange Zeit sehr gekonnt ignoriert) sich einen Kampf um den besten, originalgetreuesten und/oder günstigsten TB 303-Klon lieferten, um etwas vom Kuchen abzubekommen. So gab es eine Menge an Klonen von denen jeder seine Stärken und Schwächen hatte. Und natürlich finden sich auf YouTube auch einige Vergleichsvideos in denen die Sounds verglichen oder teilweise fast seziert werden.

Als die Computer stark genug wurden, um Soundchips und -architekturen zu emulieren, kamen noch eine Trillion mehr 303-Klone dazu. Einer der ersten war ReBirth RB-338 von Propellerhead Software (die aktuell eher für Reason bekannt sind) mit dem man nicht nur Acid-Tracks machen konnte.

Ich hoffe, das gibt euch einen kleinen Einblick in die Welt der TB-303 auch wenn man da sicher noch viel mehr ins Detail gehen könnte. Aber vielleicht ergibt sich das ja für einen zukünftigen Artikel. 🙂

Viel Spaß beim Hören!

TB-303: Wikimedia Commons
Foto: hardfloor.tumblr.com